Vor einigen Jahren waren selbstfahrende Fahrzeuge auf sicheren Straßen noch eine Vision und für viele vielleicht nichts weiter als Science-Fiction. Inzwischen ist klar zu erkennen, wohin die Reise in den nächsten Jahrzehnten geht und tatsächlich könnten schnellere Reaktionszeiten, kürzere mögliche Abstände und ein verbesserter Verkehrsfluss für weniger Staus, weniger Unfälle und weniger Emissionen sorgen. Die Erwartungen an die neue Technologie sind hoch und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass automatisiertes Fahren unseren Straßenverkehr in Zukunft beeinflussen wird. Bis diese großen Chancen realisiert werden können, sind aber noch viele Herausforderungen zu bewältigen. Neben der Fahrzeugsensorik kann auch die Vernetzung mit der Straßeninfrastruktur zu einer sicheren Implementierung beitragen, insbesondere im höherrangigen Verkehrsnetz.

Dieses Entwicklungsfeld und ein klares Verständnis davon, welche Anforderungen an die Infrastruktur gestellt werden könnten, werden die Sicherheit des automatisierten Fahrens erhöhen. Dadurch wird sich ebenso das Kerngeschäft von Straßenbehörden maßgeblich verändern. Auch wenn selbstfahrende Autos noch Zukunftsmusik sind, Vernetzung und fortschreitende Automatisierung sind bereits jetzt Realität und wirken sich auf die Aufgaben von Straßenbehörden und Verkehrsplanern aus.

Den Herausforderungen der Technologie stellt ARNDT IDC sich schon seit einigen Jahren durch aktive Mitarbeit an umfassenden Forschungsprojekten. Dabei greifen wir auf eine umfassende Infrastrukturerfahrung zurück und erarbeiten die Schnittstelle zwischen vernetzter und automatisierter Mobilität im Rahmen von Forschungsprojekten. Diese Erfahrungen nutzen wir auch in der Beratung bei Verkehrsinfrastrukturprojekten und so dürfen wir als Mitglied des Expertenrats für automatisiertes Fahren des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr, Infrastruktur und Technologie (BMVIT) den Rahmen dafür mitgestalten.

Herausforderungen an die Infrastruktur

Als bestes Testumfeld bietet sich dafür derzeit die Autobahn an, denn sie ist der am eindeutigsten definierte Verkehrsraum. Dort gibt es keine Kreuzungen mit Querverkehr, keine Fußgänger*innen oder Radfahrer*innen und keinen Gegenverkehr. Dafür wird mit hoher Geschwindigkeit gefahren und auch hier bestehen infrastrukturelle Herausforderungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Trassierung: Damit visuelle Sensoren auch bei Geschwindigkeiten von 130 km/h verlässlich funktionieren, muss die notwendige Sichtweite in Kurven und bei Neigungen gewährleistet werden. Das ist bei den aktuellen Trassierungsnormen derzeit nicht der Fall
  • Baustellenbereiche auf Autobahnen: Hier stellen besonders nicht eindeutige Markierungen eine besondere Herausforderung dar
  • Unter Umständen wird es nötig sein, neue Vorgaben für Bodenmarkierungen, Leiteinrichtungen und Verkehrszeichen zu erstellen

Der vernetzte LKW-Konvoi als Anwendungsbeispiel

Ein möglicher Anwendungsfall für automatisiertes Fahren im kommerziellen Bereich ist das sogenannte „Truck Platooning“. Dabei werden mehrere LKW miteinander vernetzt und können dadurch energieeffizient in sehr geringen Abständen fahren. Entsprechende Feldversuche gibt es bereits. Doch auch hier ergeben sich viele Herausforderungen für die Infrastruktur:

  • Abfahrtsbereiche – wie kann gewährleistet werden, dass sicheres Abfahren auch mit Truck Platoons möglich ist?
  • Höhere Belastungen auf Ingenieurbauwerken
  • Stärkere Spurrinnenbildung durch direktes Hintereinanderfahren
  • Anforderungen an Nothaltebuchten
  • Brandschutz in Tunnels ist nicht auf mehrere brennende LKW ausgelegt

ARNDT IDC bringt gerade hier die nötige Erfahrung mit, um erfolgreich an diesen Herausforderungen zu arbeiten. Die langfristige Zukunft des automatisierten Fahrens lässt sich natürlich noch nicht präzise voraussagen, aber schon heute wirken wir ganz vorne mit, um diese Thematik in Verkehrsinfrastrukturprojekten zu berücksichtigen.